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ÖNORMEN und Standards – Orientierung und Zugang leicht gemacht

Normen erleichtern unseren Alltag – ob bei Gebäuden, Produkten oder im digitalen Raum. Hier finden Sie eine kompakte Übersicht darüber, wie Sie Normen finden, anwenden oder sich an ihrer Entwicklung beteiligen können.

Was sind Normen – und warum sind sie wichtig?

Was sind Normen?

Normen – etwa ÖNORMEN oder ISO-Normen – sind Empfehlungen für Produkte, Dienstleistungen und Abläufe, die auf Fachwissen und Praxis beruhen. Sie erleichtern den Alltag, sichern Qualität, schützen die Gesundheit und schaffen Vertrauen.

Normen sind grundsätzlich freiwillig. Sie können durch Gesetze oder Verträge verbindlich werden.

Wo werden Normen angewendet?

Normen spielen in fast allen Lebens- und Wirtschaftsbereichen eine Rolle – von Bau, Technik und Gesundheit bis Umwelt oder Dienstleistungen:

Die Tabelle gibt Beispiele zu den Bereichen der Normung wieder.

Bereiche der Normung

Bereich

Beispiele

Bauwesen

Bauprodukte, Infrastruktur, Hochbau/Tiefbau

Maschinenbau

Heizsysteme, Lagerung

Elektrotechnik

Sicherheit elektrischer Anlagen, Blitzschutz

Arbeitswelt

Arbeitssicherheit, Informationssicherheit

Management

Qualität, Umwelt, Risiko, Compliance

Gesundheit

Medizintechnik, Pflege, Strahlenschutz

Umwelt

Abfall, Wasser, Luft

Dienstleistung

Facility Management, Tourismus, Beratung

Normen nutzen, Mehrwert schaffen

Vorteile für Unternehmen:

  • Weniger Entwicklungsaufwand und geringere Kosten
  • Rechtssicherheit und reduzierte Haftungsrisiken
  • Vereinfachte Verträge und Ausschreibungen
  • Zugang zu internationalen Märkten

Vorteile für Konsumentinnen/Konsumenten:

Sicherheit, Kompatibilität und Qualität von Produkten und Dienstleistungen

Normen finden & nutzen

Sie suchen eine Norm?

Hier geht es zur Normensuche bei Austrian Standards: Webshop - Austrian Standards

Sie finden dort:

  • ÖNORMEN, EN-Normen, ISO-Normen, IEC, ITU
  • Ausländische Regelwerke wie DIN
  • Fachliteratur, Zertifizierungen, Weiterbildungen u.v.m.

Normungsorganisationen

Austrian Standards ist die offizielle österreichische Normungsorganisation. Sie entwickelt ÖNORMEN und stellt die Verbindung zur europäischen (CEN, CENELEC) und internationalen Normung (ISO, IEC) her. Dabei arbeitet sie eng mit Wirtschaft, Wissenschaft, öffentlicher Verwaltung und Zivilgesellschaft zusammen.

Normen im Bereich der Elektrotechnik werden in Kooperation mit dem Österreichischen Verband für Elektrotechnik (OVE) erstellt.

Hinweis:

Rechtsgrundlage ist das Normengesetz (NormG).

Normen im Alltag

Normen im Alltag – Anwendung in vielen Bereichen

Standardisierung findet in zahlreichen Lebensbereichen Anwendung: Künstliche Intelligenz verlangt genauso nach Standardisierung wie der Bau, die Mobilität, Infrastruktur (Strom, Wasser, Abfall), Energieeffizienz, Sicherheit (Fahrradhelm), Brandschutz u.v.m.

Normen unterstützen die Kompatibilität von Produkten und Systemen und dienen als Grundlage für einheitliche Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen. Im Alltag kommen sie vielfach zum Einsatz, ohne dass dies unmittelbar wahrgenommen wird.

Was leisten Normen?

  • Sicherheit: Ein Skihelm nach Norm schützt nach neuesten Standards.
  • Qualität: Genormte Produkte halten, was sie versprechen.
  • Vertrauen: Wer "nach ÖNORM geprüft" kauft, weiß, woran er ist.
Beispiele für Normen aus dem Alltag
Bereich Was Normen regeln
Kindersicherheit Sicherheit von Feuerzeugen, Hochstühlen, Schnullern, Fahrrad-Kindersitzen
Spielzeug Prüfmethoden für Schadstoffe, Kleinteile, Kennzeichnung „nicht unter 3 Jahren“
Gesundheit Anforderungen an Brillen, Kontaktlinsen, Medizinprodukte
Verkehr Lesbarkeit von Verkehrszeichen, Warnwesten, Autoapotheke
Möbel Prüfstandards für Tische, Schubladen, Materialien
Haushalt Langlebigkeit von Besteck, Geräten wie Geschirrspüler
Kosmetik Sicherheit von Zahnbürsten, Zahnpasten, Sonnenschutz
Sport & Freizeit Schutzhelme, Scooter, Jahrmarktsfahrgeschäfte
Büro Papierformate wie A4, damit alles zusammenpasst

Normen mitgestalten – auch als Konsument

Normen entstehen im Dialog und Konsens. Austrian Standards stellt die Plattform dafür bereit. Alle Interessensgruppen können sich beteiligen.

Die Stimme der Konsumentinnen/Konsumenten bringt die Fachstelle Normungsbeteiligung im Bundesministerium Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz ein – etwa bei Themen wie:

  • Kindersichere Produkte
  • Umweltaspekte
  • Verbraucherschutz in Normen

Wie entsteht eine Norm?

Die Grundprinzipien der Normung

Normen werden von Expertinnen/Experten in einem transparenten, konsensbasierten Verfahren entwickelt – national, europäisch oder international.

Normen werden unter Beteiligung verschiedener Interessengruppen entwickelt. Dazu zählen unter anderem Unternehmen, Behörden und Interessenvertretungen. Die Mitwirkung erfolgt auf freiwilliger Basis.

Austrian Standards stellt die organisatorischen Rahmenbedingungen für diesen Prozess bereit und begleitet die Erarbeitung von Normen bis zu deren Veröffentlichung.

Eine Idee für eine Norm kann von jeder/jedem vorgeschlagen werden. Bevor zu einem eingebrachten Vorschlag eine Norm entwickelt wird, wird geprüft, ob Bedarf und Nutzen bestehen. Erst dann beginnt die eigentliche Arbeit in einem Fachkomitee.

Damit eine Norm als ÖNORM veröffentlicht werden kann, müssen wichtige Prinzipien eingehalten werden:

  • Offenheit: Alle betroffenen Gruppen können mitarbeiten.
  • Konsens: Es darf keinen grundlegenden Widerspruch geben.
  • Transparenz: Entwürfe werden transparent mit einer Stellungnahmefrist auf der Webseite von Austrian Standards zur Stellungnahme veröffentlicht.
  • Widerspruchsfreiheit: Normen müssen zueinander passen – auch auf europäischer Ebene.

Was ist eine ONR?

Wenn es schnell gehen muss oder eine Norm noch nicht reif ist, kann eine sogenannte ONR (Regel österreichischer Normen) erstellt werden – als Zwischenlösung oder Grundlage für spätere Normen. Auch hier arbeiten mehrere Gruppen zusammen, aber mit etwas einfacheren Regeln.

Mitmachen bei der Normung

Wer fachliches Know-how mitbringt, kann aktiv mitarbeiten – zum Beispiel als Vertreterin/Vertreter eines Unternehmens, einer Organisation oder Behörde. Austrian Standards bietet dafür nützliche Tools wie die Online-Plattform myCommittee und ein Normen-Entwurf-Portal zur Stellungnahme.

Geltungsdauer von Normen

Der Normeninhalt wird von den Gremien, in denen die jeweiligen Normen ausgearbeitet werden, regelmäßig auf Gültigkeit überprüft (mindestens alle drei Jahre). Bei dieser Überprüfung wird entschieden, ob die Norm weiterhin gültig bleibt oder überarbeitet werden muss.

Nationale, europäische und internationale Normen

Allgemeines

94 Prozent aller ÖNORMEN sind europäischen oder internationalen Ursprungs. Nur rund 6 Prozent sind rein österreichische Normen.

Nationale Normen

In Österreich werden nationale Normen ÖNORMEN genannt. Sie werden von Austrian Standards gemeinsam mit Fachleuten aus Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft entwickelt und veröffentlicht.

Ein Teil der Normen, die in Österreich angewendet werden, wurden und werden auf europäischer oder internationaler Ebene entwickelt und in Österreich übernommen. Diese Normen erkennt man beispielsweise daran, dass sie mit ÖNORM ISO oder ÖNORM EN betitelt sind.

Europäische Normen

Rund 93 Prozent der ÖNORMEN sind Europäische Normen (EN). Sie werden in 34 europäischen Ländern als nationale Normen übernommen – darunter alle EU-Staaten sowie Island, Norwegen, die Schweiz, das Vereinigte Königreich, Nordmazedonien, Serbien und die Türkei.

Diese Normen werden von den europäischen Normungsorganisationen CEN, CENELEC und ETSI entwickelt – gemeinsam mit Fachleuten aus den Mitgliedsländern. Sie fördern den freien Warenverkehr und sorgen für einheitliche Qualitätsstandards in Europa.

Die Normungsorganisationen auf europäischer Ebene sind:

Wer Produkte oder Dienstleistungen nach Europäischen Normen anbietet, erfüllt in der Regel die Anforderungen europäischer Richtlinien – etwa bei Sicherheit oder Umweltschutz.

Europäische Normen müssen in die nationalen Normenwerke übernommen werden. Gleichzeitig werden nationale Normen, die widersprechende Festlegungen treffen, zurückgezogen oder entsprechend abgeändert.

Internationale Normen

Internationale Normen (z.B. von ISO, IEC oder ITU) gelten weltweit. Sie werden von globalen Normungsorganisationen erarbeitet, an denen auch Austrian Standards beteiligt ist.

Internationale Normen können in Österreich übernommen werden – dann heißen sie ÖNORM ISO oder ÖNORM EN ISO, wenn sie zugleich europäisch und international sind.

So wird sichergestellt, dass Standards weltweit kompatibel und in Europa einheitlich sind.

Die Organisationen auf internationaler Ebene sind:

Im Gegensatz zu Europäischen Normen müssen Internationale Normen (ISO) nicht in die nationalen Normenwerke übernommen werden, können es aber. Übernommene Internationale Normen werden in Österreich als ÖNORM ISO bezeichnet.

Wie erkenne ich die Herkunft einer Norm?

Die Buchstaben in der Normenbezeichnung zeigen die Herkunft:

Bezeichnung Typ
ÖNORM B 2110 Nationale Norm (B für Bau)
ÖNORM EN 14069 Europäische Norm
ÖNORM ISO 13993 Internationale Norm
ÖNORM EN ISO 9920 Europäische und internationale Norm
ÖVE/ÖNORM EN 50090 Europäische Elektrotechniknorm (OVE)
ONR 49000    Regelwerk von Austrian Standards
Letzte Aktualisierung: 01.09.2026
Für den Inhalt verantwortlich: Austrian Standards Institute